In Nimandora

Wie Mari zu Nahiko wurde

Alptraum...
Mari schrie. Sie konnte nichts anderes tun als zu schreien. Nicht ihr Körper sondern die Kinderseele schrie. Und weinte. Aber ihre Augen wurden nicht feucht. Das Weinen hatte sie sich abgewöhnt. Schon nach einem Jahr hatte sie nicht mehr geweint. Nur ihre Seele tat das. Aber die schrie auch. Etwas, dass Mari nicht tun würde. Nie. Nein, sie blieb stumm und lauschte den Lehren ihres Meisters. Sie war nicht die einzige Schülerin aber die Einzige, die Drachenblut in sich trug. Deshalb wurde sie von ihren Mitschülern auch immer verspottet. Sie war eine aufmerksame und lernwillige Schülerin. Sie würde lernen. Irgendwann käme sie hier raus. Dann würde sie Drachen töten aber das schien ihr nicht sehr schwer. Zur Hälfte war sie selbst ein Drache - welches der geschuppten Biester würde sie schon für seinen Todfeind halten? Alle hatten sie unterschätzt. Nicht geahnt, was in ihr steckt. Deshalb fing sie an, sie zu hassen. Rin und die anderen, ja sie hasste sie mit Leib doch ohne Seele. Diese schien sich zu sträuben. Sie schrie, wollte Hilfe rufen doch niemand kam. Das erste Jahr hatte Mari auch geschrien und geweint, hatte nach Hilfe gebettelt und auf Rettung gehofft. Aber niemand kam und man schlug immer auf sie ein, wenn sie schrie oder weinte. Aber das hatte man ihr erfolgreich ausgeprügelt. Und inzwischen war Mari nicht mehr fünf sondern acht Jahre alt. Zwei Jahre hatte sie gewartet, im zweiten heimlich doch niemand war zu ihr gekommen. Deshalb. Genau aus diesem Grund hasste Mari Rin und die anderen. Ihre ehemaligen Freunde. Und Xeleika. Ja, sie würde diesem Gör die Schuppen vom Leibe reißen! Sie würde dieses Biest vernichten. Auch wenn ihre Seele das nicht wollte, dieser Körper gehörte Mari. Und die schmiedete Rachepläne. Ahnte nicht, dass in diesen drei Jahren bei den anderen nur drei tage vergangen waren. Aber es war ihr auch egal.

Mari ließ sich auf ihr Bett fallen. Es bestand aus Stroh und sie war damit zufrieden. Genügsam war sie nun. Und diszipliniert. Außerdem hatte sie andere Kleidung. Die Achtjährige trug ein eng anliegendes, schwarzes Top dessen Ärmel ihr bis zu den Handgelenken reichten. Verträumt strich sie darüber. Es bestand aus weicher Drachenhaut, solcher die man erhält wenn man einen Jungdrachen erlegt und häutet. Mari richtete sich auf und betrachtete den weichen, dunkelgrauen Rock aus Drachenfell, der ihre zu den Knien reichende Lederhose bedeckte. Eine Hose aus Drachenleder. Sie strich über die schwarzen Haare, die ihr schon etwas über die Schultern reichten. Sie war lange nicht mehr gewachsen. Seit dem zweiten Jahr. Zu klein für ihr Alter. Aber das machte Mari nichts aus.
Noch bis vor kurzem existierte in ihr die alte Mari. Die Kleine, fünfjährige und naive Mari. Aber sie hatte diesen Teil von sich selbst hatte sie aus ihrem Körper verbannt und nach draußen in die Welt zu Rin und den anderen geschickt... Nur wurde Mari ihre Seele nicht los. Denn die haftete an ihr und ließ sich nicht einfach austreiben wie einen bösen Geist. Aber sie musste das tun. Es war eine Bedingung um Drachenjägerin zu werden. Denn wenn sie ihre Seele, ihr Gewissen aus ihrem Körper stieß würde sie Ruhe haben. Und keine Gewissensbisse. Genau sowenig hätte sie etwas, dass sie am Töten hinderte. Ja, Mari wollten Töten. Das Fleisch der Gegner unter ihren Klauen zerdrücken und das Blut heraustropfen sehen.... Ihr wurde schwindelig und Mari drehte sich um. "Ich hasse mein Gewissen", sagte sie sich leise und Wut brannte in ihren dunkelblauen Augen.
"Sei nicht sauer, Mari. Und glaube niemals, du wärst alleine, wir sind deine Familie!", sagte Mia und lächelte. Sie strich durch das Haar der vierjährigen Mari und sah sie an, als wäre Mari ihre kleine Schwester. Und da waren noch andere, Zick und Zack mit ihrem kecken Grinsen, Sirc, der ihnen genervte Blicke schickte und Mya und Mja. Die Beiden waren nett und freundlich, hielten sich jedoch wie die anderen zurück. Mia war seit diesem Tag, an dem Mari ihre Eltern verloren hatte ein Teil dieser Familie gewesen. Und Mias kleine Schwester.

Wütend schlug Mari auf das Strohbett. Sie starrte auf ihre Hand. Die Faust. Voller Wut und Hass. Sie wollte Rache nehmen, genau wie Mari. In ihr staute sich die Energie. Sie würde Rin und die anderen bei der erstbesten Gelegenheit umbringen, würde es ihnen heimzahlen. Sie hatten sie im Stich gelassen, deshalb würde Mari sie töten. Wenn sie sie noch wiedererkennen würde. Denn es waren schon drei Jahre vergangen und mit etwas Glück hatte Mari ihre Ausbildung in vier Jahren abgeschlossen. Mit zwölf. Sie wäre die Jüngste Drachenjägerin. Deshalb musste sie die Erwartungen erfüllen und die Prüfung bestehen. Sonst war sie nichts. Nicht genug. Mari atmete tief durch. Dann zupfte sie sich einige Strohhalme aus ihrem Haar und stand auf. Sie stellte sich vor einen Spiegel. Ihr Gesicht war viel zu kindlich und ihr Körper zu klein. Fand sie. Mari wollte erwachsener wirken. Dann würde man sie nicht länger unterschätzen. Seufzend drehte sie sich und und schritt auf das Fenster zu. Es war vergittert - nur für alle Fälle. Aber sie wäre sowieso nicht weit gekommen, wenn sie geflüchtet wäre. Das prachtvolle Schloss, in dem sie ausgebildet wurde befand sich mitten im Nichts. Um das Schloss zogen sich dichte Nebelschwaden. Mari seufzte und begann wieder zu träumen. Davon, wie sie von hier verschwand und wieder fünf Jahre alt war. Davon, wie es ihr wohl ergangen worden wäre wenn ihre Freunde sie nicht hintergangen sondern gerettet hätten. Das laute Schreien ihrer Seele wurde zu einem hilflosen Schluchzen.

"Dann seid ihr jetzt wirklich meine Familie?", fragte die kleine, vierjährige Mari. Mia nickte. "Ja", sagte sie mit ihrer beruhigenden, lieben Stimme, die Mari warm ums Herz werden ließ, "Deshalb sind wir auch immer für dich da und werden das bis in alle Ewigkeit sein!" Mari wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. "Danke", schluchzte sie, "Vielen, vielen Dank!" Dann kuschelte sie sich an Mias Kleid. Es war warm. Und weich. So schön. Und duftete. Mari mochte Mia riechen. Ja, Mia war ihre große Schwester. Und immer mehr begann sie auch, Mia anzuhimmeln. Sie war mehr als eine Schwester. Ein Vorbild.
Mari lehnte ihre Stirn an das kühle Metall der vergitterten Fenster. Es beruhigte sie. Mari ließ ihre Gedanken los, die sie selbst nicht hören wollte: 'Wenn sie eine Möglichkeit gefunden hätten mich zu retten wären meine Freunde schon längst hier. Sie suchen nach einem Weg, hier her zu kommen! Sie riskieren ihr Leben für mich!' 'Es sind meine Freunde. Sie waren immer für mich da, wenn ich sie brauchte. Nur eben dieses eine Mal nicht. Sie mühen sich ab, hier her zu kommen!' 'Hintergehe deine Freunde nicht...'
Das waren Gedanken, die Mari hasste. Genauso wie Rin und die anderen. Aber warum weinte sie dann? Ihre Augen wurden leicht feucht aber sofort wischte sie sich die Träne heraus. "Ich heule nicht", sagte sie leise zu sich, "Das tun nur Schwächlinge. Aber ich bin nicht schwach!" Dann ballte sie die Faust und umfasste die verrosteten Gitterstäbe. Sie würde ihr Gewissen loswerden. Wenn sie es nicht rausschmeißen konnte würde sie es eben verdrängen. Genau. Sie würde es einsperren, damit diese Gedanken sie nicht immer wieder aufwühlten....

Mari stellte sich vor den Spiegel. Man sah nicht mehr, dass sie geweint hatte. "Gut...", flüsterte sie und öffnete die schwere Holztüre, die aus dem Zimmer führte. Ihre nackten Füße berührten den kalten Steinboden, der so viel härter war als der Teppich, welcher ihr Zimmer zierte. Knarrend nahm die Holztür wieder ihren ursprünglichen Platz ein und Mari schlich sich durch die Flure. Das kalte Holz unter ihren Füßen ließ sie frösteln. Dennoch ging sie zielstrebig durch die Flure, kam an eine Treppe und ging hinunter. Als sie um eine Ecke biegen wollte stieß sie fast mit jemandem zusammen. "Loraik", entfuhr es ihr und Mari hielt den Atem an. Der Junge vor ihr hatte kurze schwarze Haare und grüne Augen. Er überlegte einen Moment dann winkte er ab. "Ich sag nichts", versicherte er ihr. Mari murmelte ein höfliches "Danke" und flitzte vorbei. Es war ihr verboten, um diese Uhrzeit, abends durch die Flure zu schleichen, bevor es Abendessen gab. Dennoch tat Mari es. Als sie an einer kleinen Hintertüre ankam, nachdem sie um unendlich viele Ecken gebogen und unzählbar viele Flure durchquert hatte, blieb sie stehen und holte Luft. Dann drückte sie vorsichtig die Türklinke herunter und trat heraus. Sie sah sich kurz verstohlen um, dann schloss sei die Tür hinter sich und rannte los, auf ein kleines Baumgrüppchen zu.

Freunde, die Hoffnung geben
Mari hatte sich die Ausbildung zum Drachenjäger früher ganz anders vorgestellt. Sie wusste inzwischen nicht mehr genau, wie sie es damals vor Augen hatte doch auf alle Fälle gefiel es ihr langsam dort. Sie begann sich heimisch zu fühlen. Bei den Drachenjägern. Als Halbdrache. Und dafür hasste sie Rin und die anderen. Ihr kleines Ich hatte sie schon vor langer Zeit abgelegt. Sie vermisste es auch nicht. Inzwischen machte es ihr fast schon Spaß, diese Dinge zu lernen. Fast. Nur noch eine Sache in ihr sträubte sich: Ihr Gewissen. Und das musste sie loswerden. Als Mari bei den Bäumen ankam stand dort an einen Baum gelehnt Nalosk. "Hallo", sagte er und hob die Hand zum Gruß. Mari nickte und lächelte. "Du bist mal wieder hier, huh?" Er nickte. "Wie immer", sagte er und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. "Was gibt es?", fragte er und sah Mari an, "Wenn du mich hier suchst - ganz besonders während der Ausgangssperre - hat das meistens einen Grund" Mari nickte. "Jap, genau so ist es. Ich habe..." Sie hielt kurz inne und sah erst ihn an und blickte dann zu Boden. "Ich habe Probleme mit meinem Gewissen... Ich glaube ich muss es loswerden, sonst kann ich nie eine Drachenjägerin werden!"

Nalosk schüttelte den Kopf. "Tststs... Dein Gewissen? Wie willst du das loswerden?", wollte er wissen und als Mari zu Boden sah schmunzelte er. "Hey, das Dasein deines Gewissens ist nicht das Problem.... Du musst ihm nur beibringen, was richtig und was falsch ist. Alte Maßstäbe musst du neu definieren!" Mari nickte. "Danke!", sagte sie und lächelte. Sie lehnte sich gegen einen Baum hinter ihr. "Sag mal Mari... Willst du wirklich Drachenjägerin werden?", fragte Nalosk und runzelte die Stirn. Mari sah ihn etwas verwirrt an. Was? Weiß er etwa...? Sie nickte nur stumm. "Ich muss", flüsterte sie leise. "Nein", widersprach er ihr und lächelte, "Du musst es nicht. Es gibt einen Weg von hier zu entkommen und den kennst du genau wie alle anderen auch" Mari nickte. "Weißt du", erzählte sie leise und ging in die Hocke, "Ich hatte mal Freunde. Damals dachte ich, sie wären gute Freunde die mir immer helfen, aber..." Sie stockte und schluckte ein paar Tränen runter, bevor sie fortfuhr. "Aber.... Sie haben mich verraten. Ich konnte sehen, wie sie reagiert haben, als sie dahinter kamen, dass mein früheres Ich, welches ich ausgesandt hatte, nicht vollständig war..." Traurig sah sie zu Boden. Nalosk setzte sich neben sie. "Aber hier hast du Freunde", sagte er aufmunternd, "Und wir lassen dich bestimmt nicht im Stich" Mari vergrub das Gesicht in den Händen. Dann legte sie die Hände hinter den Kopf und sah Nalosk aus den Augenwinkeln an. "Besser zwei gute Freunde als viele Verräter", sagte sie scherzhaft und sie Beide lachten.

Mari lächelte. Seitdem sie hier war und zur Drachenjägerin ausgebildet wurde hatte sie erfahren, wie gut es tat, wirklich gute Freunde zu haben. Jala und Nalosk waren die Freunde, die sie sich schon immer gewünscht hatte. Die, die sie vermisst hatte. "Hey Sternfunke, Finder, wir sollten zurückgehen", sagte dann jemand hinter ihnen. "Jala!", rief Mari aus und fiel ihrer Freundin um den Hals. "Nicht so stürmisch", sagte diese und lachte. Mari ließ sie los und neben ihnen richtete Nalosk sich auf. "Was bedeutet eigentlich Tami?", fragte er und Jala zwinkerte. "Das heißt 'Nachtwind'", erklärte sie und fasste Nalosk und Mari an den Händen und ging zielstrebig auf die Hintertüre zu, aus der sie gekommen waren. Doch kurz bevor sie die erreichten schwang sie auf und der Rektor stand vor ihnen. Wütend sah er auf die Beiden. "Das Übliche", knurrte er und schüttelte den Kopf. Er hatte kurze, blonde Haare und rotbraune Augen. Seine harten Gesichtszüge sahen tadelnd auf die Drei herab, als er aus seinem schwarzen Anzug ein Notizbuch zog. "Immer wieder das selbe", erklärte er, während er etwas in das Buch schrieb, "Ihr habt den Bogen überspannt und mich zum letzten Mal enttäuscht. Heute werdet ihr auf dem Schulhof Laub fegen. Von euch zweien" Er sah auf Mari und Nalosk, "War das ja nichts neues aber Jala" er sah strafend zu ihr, "Du solltest es besser wissen. Du bist ein Jahr älter als die anderen! Sei ein Vorbild!" Jala sah betrübt zu Boden. "Das war nun schon dein siebenundachzigster Regelverstoß!", mahnte der Direktor sie und machte eine kleine Pause. "Auch wenn das im Gegensatz zu unserem Dauerregelbrecher Nalosk noch gar nichts ist!" Dann sah er ohne etwas zu sagen auf Mari. Es war ein warnender Blick, der ihr wieder klarmachte, dass sie eigentlich nicht hierher gehörte. Sie würde das wahrscheinlich auch nie wirklich tun. Betrübt sah Mari zu Boden.

"Direktorlein!", zischte Nalosk wütend, "Hör gefälligst auf Mari so anzuschauen! Es gibt keinen Grund dazu!" Mari hielt die Luft an. Der Direktor würde es sagen. Würde die Wahrheit sagen. Doch bevor er etwas sagen konnt hatte Mari den Kopf geschüttelt und gesagt: "Nein, er hat seine Gründe. Ich gehöre vielleicht wirklich nicht hie-" "Doch verdammt noch mal, du gehörst hier her!", sagte Nalosk nun an sie gewandt, jedoch nicht wütend, "Du hast mir doch eben erst gesagt, dass du hier Freunde gefunden hast! Und wir sind deine Freunde! Wir ge-" "Genug!", schnaubte der Direktor. "Das lasse ich mir nicht bieten!" Er packte Mari am Handgelenk und zog sie rein. "Ich habe noch ein Wörtchen mit ihr zu sprechen, ihr Beide holt euch schon mal Laubharken und fangt mit der Arbeit an!" Dann schlug er die Hintertüre zu und stapfte wütend mit Mari in sein Büro. Er schloss die Tür und ließ sich auf einen Stuhl hinter seinem Schreibtisch nieder. "Setz dich", befahl er in resolutem Tonfall und deutete auf einen Holzstuhl vor seinem Schreibtisch. Mari gehorchte. "Du dürftest nicht auf dieser Schule sein", erklärte er und sie nickte. "Ich weiß", sagte sie leise, "Und bin dankbar, hier lernen zu dürfen!" "Dann halte dich an die Regeln!", schnaubte der Direktor und schlug mit der Faust auf den Tisch. "Du kannst dir keine Regelverstöße leisten! Das nächste Mal werde ich dann deine Wahrheit bekanntgeben und dann hast du sicher nichts mehr, was dich hier hält! Keine Freunde, keine netten Mitschüler, nicht einmal dein Zimmer wirst du behalten! Haben wir uns verstanden?" Mari nickte. "Dann geh", befahl er und sah sie noch einmal voller Abscheu an. Mari nickte und ging aus dem Zimmer. Anschließend eilte sie durch die Flure und ging nach unten. Inzwischen gab es Abendessen und die Ausgangssperre war wieder aufgehoben aber Mari wusste, dass sie ihre Strafarbeit erledigen musste. Also rannte sie durch die große Haustür nach draußen und lief zu Nalosk und Jala. "Hallo Leute", grüßte Mari sie, "Tschuldigt, dass ich euch hab warten lassen!"

Nalosk und Jala hatten sich schon an die Arbeit gemacht. "kein Problem", meinte Nalosk und sah auf. "Hat er geschimpft?", wollte Jala besorgt wissen, als sie Maris zerknirschten Gesichtsausdruck bemerkte. "Ja... Leute... Ich muss euch noch was... Was sagen...", stotterte Mari. "Aber erst sollten wir hier arbeiten", fügte sie schnell hinzu und flitzte zu einem Schuppen um dort ihre Laubharke zu holen. Sie schnappte sie sich und eilte nach draußen, um die Arbeit zu verrichten. Dabei hielt sie sich bewusst von ihren Freunden fern. Was werden sie sagen? Ob sie es weitererzählen werden? Nein... Ich traue ihnen das nicht zu, sie sind meine Freunde! Aber... vielleicht... Was ist, wenn sie mich dann meiden? Dann habe ich hier nichts mehr... Wenn ich nichts sage wird der Direktor es bekanntgeben... Ich bin geliefert, was auch immer ich mache... Niedergeschlagen und lustlos harkte Mari die Blätter zusammen und bildete einen Laubhaufen. Jala ließ ihre Harke fallen und ging zu Mari. Dann fasste sie sie an den Schultern und sah ihr in die Augen. "Mari, was ist los?", wollte sie wissen, "Was bedrückt dich? Irgendwas zieht dich runter, das sieht ein Blinder ohne Krückstock! Wir sind deine Freunde Mari, du kannst uns alles erzählen!" "Das...", flüsterte Mari und Tränen stiegen ihr in die Augen, "Alles... Kann ich euch wirklich alles erzählen?", fragte sie leise und bemerkte erst jetzt, dass auch Nalosk zu ihnen gekommen war. Er nickte. "Kannst du", erklärte er, "Wir sind deine echten Freunde!" "Ich...", brachte Mari stotternd heraus, "Ich... bin eigentlich... kein... kein ganzer Mensch... Halbdrache..." Dann hielt sie die Luft an. Jala lächelte und auch Nalosk schien freundlich gesinnt. "Das bleibt aber unser Geheimnis", erklärte Jala und zwinkerte. Verblüfft sah Mari sie an. Dann fiel sie ihr um den Hals. "Danke", schluchzte sie, "Ihr seid echte Freunde!" Nalosk nickte. "Nur sollten wir jetzt weiter arbeiten, meint ihr nicht auch?" Mari und Jala nickte und griffen zu ihren Laubharken. Nach getaner Arbeit gingen die Drei in den Speisesaal und aßen zu Abend. Sie mussten sich mit vertrocknetem Brot und stinkigem Käse zufrieden geben, da sie ziemlich spät dran waren. Nachdem sie das getan hatten verabschiedeten sie sich von einander und gingen in ihre Zimmer. 

~Fortsetzung folgt~

 

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