Lichtschatten-Storys

Kindheit eines halbschattens

>>"Nicht auffallen. Keine Straftat begehen. Es immer allen Recht machen"
Das waren die Überlebensregeln, wenn man ein Halbschatten war, der unter Menschen lebte. 
Wenn er sich nicht daran hielt, so war er so gut wie tot. 
Die Menschen hassten alle Halbschatten
Und alle Halbschatten hassten die Menschen. 
Sie tolerieren einander nicht oder kaum. 
Halbschatten die unter Menschen leben 
Dürfen dies nie preisgeben
Weil sie sonst getötet werden. 
So war es schon immer. 
So wird es für immer sein. 
Es ist nicht möglich, dies zu ändern. 
Keiner kann das. 
Kein Mensch 
und kein Halbschatten. 
<<

Der fünfjährige Halbschatten rieb sich verschlafen die Augen. Er lag im Dreck einer Seitengasse auf den harten Steinen und blinzelte müde. Die Sonne ging gerade hinter den Hausdächern auf und ein Hahn krähte. Still stand Ikaran auf und nahm seine Wildkatzengestalt an. Er schlich sich vorsichtig durch die leeren, dunklen Gassen, bis er vor einem Komposthaufen stand. Den Gestank von verfaulendem Fleisch und verwelkendem Gemüse längst gewöhnt begann er damit, nach etwas weniger verfaultem zu scharen und wurde bald fündig. 

Einen Fischkopf verschlingend lauschte der Halbschatten und beobachtete seine Umgebung aufmerksam. Es gab keinen Ort, an dem er wirklich sicher war. Als nächstes aß Ikaran einen verfaulten Apfel, danach verputzte er eine weiche Karotte. >Iss was du bekommst oder du verhungerst< war auch eine Überlebensregel. Plötzlich klirrte etwas und der Halbschatten sprang erschrocken auf und verschwand hinter der nächsten Seitengasse. 

>>Du kommst jetzt mit<<, rief ein Mann wütend und ein kleines Mädchen schrie. Verunsichert sah Ikaran in Halbschattengestalt zu den Menschen. Der Mann sah brutal aus, hatte tätowierte Arme und trug eine Sonnenbrille, dafür trug er nur ein schwarzes Hemd und eine dunkelblaue, zerfetzte Jeans. Er packte das kleine Kind am Kragen. Ikaran bleckte seine Zähne und ballte die Fäuste. Er wusste genau dass er sich da raushalten sollte aber andererseits wollte er nicht wissen, was der Mann dann mit dem kleinen Mädchen machen würde. 

>>Verdammtes Mistvieh!<<, schrie der wütende Mann, als der Kater ihm in den Arm biss und mit den Krallen über seine Augen fuhr, >>Scheiße ich kann nichts sehen!<< Das kleine Mädchen zögerte einen Moment, sah ihre Chance und trat dem Mann zwischen die Beine in die XXXX[Zensiert], sodass er aufschrie und sich vor Schmerzen auf dem Boden wand. Das Mädchen nahm Ikaran (der noch immer in Katzengestalt unterwegs war) auf den Arm und verschwand mit ihm in einer Seitengasse. Dann blieb sie jedoch stehen, da eine Sackgasse ihren Weg versperrte. Gerade als sie umdrehen und zurücklaufen wollte hörte sie Schritte auf sich zukommen.... 

Völlig außer Atem hielt das kleine Mädchen die Luft an. >>Komm Kleine, ich tue dir nichts<<, lockte der Mann, welcher gerade in die Gasse trat. Gerade als er das Mädchen packen wollte verbiss sich Ikaran in seinem Arm. Dieses Mal schien er weniger beeindruckt und schlug den Streuner gegen eine Hauswand, sodass er - unfähig sich zu bewegen - zu Boden sank. Dennoch sah er aus den Augenwinkeln, was geschah und hörte auch mit halbem Ohr zu. 

>>Hör zu.... nicht nochmal.... Deine Elter.... zahlen oder sterben..... keiner wird helfen!<< Teile von dem, was der Mann schrie. Bruchteile. Zerbrochen wie Scherben, Ikaran musste ein Puzzle meistern. Was hatte er bis jetzt gehört? Was war geschehen? Bevor der Halbschatten weiter nachdenken konnte verschwamm die Welt von ihm und er sah gerade noch wie die Augen des Mannes leuchteten und er seine tödlichen Schattenzähne in den Arm des Mädchens bohrte.... 

Die siebenjährige schrie vor Schmerz auf, als der Schatten ihr ein Stück Fleisch aus dem Arm biss. Und dann geschah es. Damals, da hörte Ikaran zum ersten Mal diese Stimme, noch weit entfernt... Steh auf.... Hilf ihr.... Dann schlug der Halbschatten die Augen auf und ging wie von etwas besessen auf den Schatten los. Blut spritzte ihm entgegen und auch als der Schatten dann plötzlich tot war und mit aufgeschlitzer Kehle und durchbohrtem herzen da lag schlug Ikaran weiter auf ihn ein. In diesem Moment war es als sähe er seinen Körper, rot glühende Augen und spitze Zähne, Krallen und Pranken... >Das bin ich nicht!< Das bist du, das ist dein wahres Gesicht.... 

 

~Fortsetzung folgt~

 

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